Abnehmspritzen wie Ozempic, Wegovy oder Mounjaro können beim Abnehmen helfen. Doch mit dem sinkenden Gewicht verändert sich auch die Zusammensetzung des Körpers: Neben Fett geht bei einer deutlichen Gewichtsabnahme immer auch ein Teil der fettfreien Körpermasse verloren. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, wie viel Gewicht man verliert, sondern was davon verloren geht.
Zusammenfassung:
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Auch mit Abnehmspritzen geht neben Fett ein Teil der fettfreien Körpermasse verloren – das ist bei starkem Gewichtsverlust allerdings nicht ungewöhnlich.
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Fettfreie Körpermasse ist nicht dasselbe wie Muskelmasse. Die Studienlage wird deshalb oft dramatischer dargestellt, als sie tatsächlich ist.
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Ausreichend Eiweiß und regelmäßiges Krafttraining können dabei helfen, Muskelmasse und Muskelkraft während des Abnehmens zu erhalten.
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Gerade bei weniger Appetit wird es wichtig, die verbleibenden Mahlzeiten bewusst proteinreich zu gestalten.
Verliert man durch Abnehmspritzen Muskeln?
Die kurze Antwort lautet: Ein Teil der Muskel- bzw. fettfreien Masse kann beim Abnehmen verloren gehen. Das ist aber kein ausschließliches Problem von Abnehmspritzen.
Eine 2026 veröffentlichte Metaanalyse untersuchte sieben randomisierte Studien mit insgesamt 821 Personen. Dabei nahm die sogenannte fettfreie Masse unter GLP-1-Medikamenten zwar ab. Gleichzeitig stieg ihr Anteil am verbleibenden Körpergewicht, weil deutlich mehr Fett als fettfreie Masse verloren ging. Die Autoren kommen deshalb nicht zu dem Schluss, dass der Verlust an fettfreier Masse die Anwendung dieser Medikamente grundsätzlich infrage stellt. Sie betonen vielmehr, dass Ernährung und Bewegung während der Behandlung eine wichtige Rolle spielen.
Noch deutlicher wird das Bild durch eine weitere aktuelle Metaanalyse. Sie wertete 20 randomisierte Studien mit mehr als 15.000 Teilnehmern aus und verglich moderne Abnehmmedikamente mit klassischen Lebensstilinterventionen. Das Ergebnis: Der Anteil des Gewichtsverlusts, der auf fettfreie Masse entfiel, war unter den Medikamenten ungefähr vergleichbar mit dem bei einer herkömmlichen Gewichtsabnahme. Besonders günstig schnitt die Kombination aus Gewichtsabnahme und Krafttraining ab.
Die Abnehmspritze scheint also nicht automatisch „Muskeln wegzuspritzen“. Entscheidend ist vielmehr, wie die Gewichtsabnahme begleitet wird.
Muskelmasse ist nicht dasselbe wie fettfreie Masse
Ein wichtiger Punkt wird in vielen Schlagzeilen übersehen: Die Begriffe „Muskelmasse“ und „fettfreie Masse“ sind nicht gleichbedeutend.
Zur fettfreien Masse gehören neben den Muskeln unter anderem Wasser, Organe und Glykogen – also gespeicherte Kohlenhydrate in Muskeln und Leber. Wenn eine Studie feststellt, dass beispielsweise 30 Prozent des Gewichtsverlusts auf fettfreie Masse entfallen, bedeutet das deshalb nicht, dass 30 Prozent des verlorenen Gewichts aus Muskelgewebe bestehen.
Genau diese Unterscheidung ist wichtig, wenn man die Diskussion über Muskelgesundheit im Alter verstehen möchte.
Das bedeutet nicht, dass Muskelverlust keine Rolle spielt. Gerade für ältere Menschen oder Personen, die bereits wenig Muskelmasse haben, kann es sinnvoll sein, während einer Gewichtsabnahme besonders auf den Erhalt von Muskeln und Kraft zu achten.
Warum weniger Hunger zum Problem werden kann
Damit kommt ein anderer Aspekt der Abnehmspritzen ins Spiel: der deutlich geringere Appetit.
Genau dieser Effekt ist erwünscht. Wer weniger Hunger hat, nimmt meist automatisch weniger Kalorien auf und kann dadurch Gewicht verlieren. Gleichzeitig wird es aber schwieriger, mit den verbleibenden Mahlzeiten ausreichend Eiweiß und andere wichtige Nährstoffe aufzunehmen.
Das kann im Alltag überraschend schnell passieren.
Wer beispielsweise statt drei großen Mahlzeiten plötzlich nur noch kleine Portionen schafft, nimmt möglicherweise auch deutlich weniger Eiweiß auf. Deshalb lohnt es sich während einer Abnehmphase, nicht nur auf die Gesamtmenge der Nahrung zu achten, sondern auch darauf, welche Nährstoffe in den kleineren Mahlzeiten stecken.
Eine praktische Grundlage dafür ist die Verteilung von Proteinportionen über den Tag.
Wie viel Eiweiß ist während der Abnehmphase sinnvoll?
Hier gibt es inzwischen konkretere Empfehlungen.
Ein internationaler Expertenkonsens empfiehlt während einer aktiven Gewichtsabnahme unter GLP-1-basierten Therapien etwa 1,2 bis 1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Gleichzeitig wird betont, dass ausreichend Eiweiß allein nicht ausreicht: Bewegung, insbesondere Krafttraining, gehört ebenso dazu.
Ein einfaches Beispiel:
Wer 80 Kilogramm wiegt, käme bei 1,2 bis 1,5 g/kg auf etwa 96 bis 120 Gramm Eiweiß pro Tag.
Das ist nicht für jeden Menschen das passende persönliche Ziel. Alter, Körperzusammensetzung, Aktivität, Erkrankungen und insbesondere die Nierenfunktion können die sinnvolle Menge beeinflussen. Bei Unsicherheit sollte die individuelle Ernährung deshalb mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer qualifizierten Ernährungsfachkraft abgestimmt werden.
Die grundsätzliche Botschaft ist aber einfach:
Wenn weniger gegessen wird, sollte das Wenige möglichst nährstoffreich sein.
Eiweiß und Krafttraining gehören zusammen
Eiweiß ist dabei kein Ersatz für Bewegung.
Krafttraining setzt einen Reiz auf die Muskulatur. Eiweiß liefert anschließend die dafür benötigten Bausteine. Beides zusammen schafft deutlich bessere Voraussetzungen dafür, während einer Gewichtsabnahme möglichst viel Muskelmasse und Kraft zu erhalten.
Das gilt nicht nur für Menschen, die eine Abnehmspritze verwenden. Auch bei einer klassischen Diät kann ein Teil der fettfreien Masse verloren gehen. Die Kombination aus ausreichender Eiweißzufuhr und Krafttraining ist deshalb grundsätzlich eine sinnvolle Strategie, wenn das Ziel nicht nur ein niedrigeres Gewicht, sondern auch ein leistungsfähiger Körper ist.
Was essen, wenn der Appetit klein ist?
Die Herausforderung besteht damit vor allem darin, genug Eiweiß in relativ kleinen Mahlzeiten unterzubringen.
Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Je nach Ernährungsweise können beispielsweise Skyr, Quark, Eier, Fisch, mageres Fleisch, Tofu, Hülsenfrüchte oder proteinreiche Milch- und Pflanzendrinks eingesetzt werden.
Auch Proteinpulver oder andere proteinreiche Zutaten können eine praktische Ergänzung sein, wenn normale Mahlzeiten allein nicht ausreichen. Sie ersetzen dabei keine ausgewogene Ernährung, können aber helfen, eine kleinere Mahlzeit gezielt mit Eiweiß anzureichern.
Mehr dazu, wann Proteinpulver oder vollwertige Lebensmittel sinnvoll sein können, haben wir bereits ausführlicher erklärt.
Wo Mykoprotein ins Bild passt
Eine weitere Möglichkeit sind proteinreiche Zutaten, die sich unkompliziert in kleine Mahlzeiten integrieren lassen.
Mykoprotein ist ein Protein aus Pilzkulturen und kann beispielsweise in Porridge, Suppen, Smoothies oder andere Gerichte eingerührt werden. Dadurch lässt sich der Eiweißgehalt einer Mahlzeit erhöhen, ohne dafür eine deutlich größere Portion essen zu müssen.
Das kann gerade dann interessant sein, wenn der Appetit durch eine GLP-1-Therapie deutlich reduziert ist.
Mykoprotein liefert dabei alle essenziellen Aminosäuren und enthält zusätzlich Ballaststoffe. Es ist damit keine spezielle „Abnehmlösung“, sondern schlicht eine weitere Möglichkeit, eine proteinreiche Ernährung im Alltag umzusetzen.
Wer mehr darüber erfahren möchte, wie Mykoprotein hergestellt wird und was es von klassischen Proteinpulvern unterscheidet, findet hier eine ausführliche Einführung: Was ist Mykoprotein und was kann es?.
Was bedeutet das nun für Menschen mit Abnehmspritze?
Die Diskussion über Muskelabbau durch Abnehmspritzen wird häufig zu schwarz-weiß geführt.
Ja, bei einer starken Gewichtsabnahme kann auch Muskel- beziehungsweise fettfreie Masse verloren gehen. Das sollte insbesondere bei älteren Menschen und Personen mit bereits geringer Muskelmasse ernst genommen werden.
Nein, die bisherigen Daten sprechen nicht dafür, dass Abnehmspritzen grundsätzlich einen außergewöhnlichen Muskelabbau verursachen. Der Anteil der fettfreien Masse am Gewichtsverlust scheint insgesamt vergleichbar mit dem zu sein, was auch bei anderen Formen einer deutlichen Gewichtsabnahme beobachtet wird.
Und genau deshalb liegt ein wichtiger Teil der Lösung nicht allein im Medikament, sondern in der Begleitung der Gewichtsabnahme: ausreichend Eiweiß, regelmäßiges Krafttraining und eine ausgewogene Ernährung.
Gerade wenn der Appetit deutlich reduziert ist, lohnt es sich, die verbleibenden Mahlzeiten besonders bewusst zusammenzustellen. Denn erfolgreiches Abnehmen bedeutet nicht nur, weniger zu wiegen. Es bedeutet auch, möglichst viel von dem zu erhalten, was den Körper leistungsfähig hält.
Wer sich unabhängig von einer Abnehmspritze mit der Vorbeugung von Muskelverlust beschäftigen möchte, findet dazu weitere praktische Informationen im Beitrag Sarkopenie im Alltag vorbeugen mit Ernährung.