Protein kann heute mehr sein als ein klassischer Shake nach dem Training. Wer seine Ernährung proteinreicher gestalten möchte, findet inzwischen zahlreiche pflanzliche Alternativen. Zwei davon sind Erbsenprotein und Mykoprotein.
Doch wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen Mykoprotein vs. Erbsenprotein? Beide liefern essentielle Aminosäuren, unterscheiden sich aber deutlich bei Proteinanteil, Ballaststoffen, Herstellung und Verwendung im Alltag.
Kurz gesagt: Erbsenproteinisolat eignet sich besonders, wenn du möglichst viel Protein mit wenig Pulver aufnehmen möchtest. Mykoprotein ist interessant, wenn du minimalverarbeitetes Protein mit einem hohen natürlichen Ballaststoffanteil kombiniert vielseitig in deine Mahlzeiten integrieren möchtest.
Mykoprotein vs. Erbsenprotein im direkten Vergleich
Erbsenprotein wird meist aus gelben Erbsen hergestellt. Für Proteinpulver wird das Eiweiß aus der Erbse weitgehend herausgelöst und konzentriert. Das Ergebnis ist häufig ein Proteinanteil von etwa 75 bis 85 Prozent. Das ist praktisch, wenn du mit einer kleinen Portion möglichst viel Protein ergänzen möchtest.
Mykoprotein entsteht durch Fermentation. Dabei wächst das fadenförmige Myzel von Fusarium venenatum in einem kontrollierten Prozess. Anschließend wird es schonend verarbeitet und getrocknet. Ein reines Mykoprotein-Pulver enthält bei Kwint rund 55 Prozent Protein, zugleich aber etwa 35 Prozent Ballaststoffe sowie von Natur aus Mineralstoffe.
Der Unterschied lässt sich einfach beschreiben: Erbsenprotein ist stärker auf eine möglichst hohe Proteinkonzentration ausgerichtet, während Mykoprotein Eiweiß und Ballaststoffe miteinander verbindet.
Proteinqualität: Wie unterscheiden sich Mykoprotein und Erbsenprotein?
Protein besteht aus verschiedenen Aminosäuren. Einige davon kann der Körper nicht selbst herstellen. Diese sogenannten essentiellen Aminosäuren müssen über die Ernährung aufgenommen werden.
Sowohl Mykoprotein als auch Erbsenprotein liefern alle essentiellen Aminosäuren. Trotzdem unterscheiden sie sich in ihrem Aminosäureprofil.
Bei Erbsenprotein ist insbesondere Methionin vergleichsweise niedrig. Das bedeutet nicht, dass Erbsenprotein eine schlechte Proteinquelle ist. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit verschiedenen Proteinquellen kann unterschiedliche Aminosäureprofile problemlos miteinander kombinieren.
Auch Mykoprotein liefert alle essentiellen Aminosäuren und kann damit eine pflanzenbasierte Ernährung sinnvoll ergänzen.
Für die tägliche Ernährung zählt deshalb nicht nur die Frage, welches Pulver den höchsten Proteinanteil besitzt. Entscheidend ist auch, wie viel Protein du insgesamt aufnimmst und wie vielfältig deine Ernährung ist.
Mykoprotein hat deutlich mehr Ballaststoffe
Hier liegt einer der größten Unterschiede zwischen Mykoprotein und Erbsenprotein.
Ein Erbsenproteinisolat ist darauf ausgelegt, möglichst viel Protein aus einer relativ kleinen Menge Rohstoff zu konzentrieren. Entsprechend enthält es häufig nur wenige Ballaststoffe.
Mykoprotein bringt dagegen von Natur aus einen hohen Ballaststoffanteil mit. Bei Kwint sind es rund 35 % Ballaststoffe, wobei ein großer Teil davon aus Beta-Glucanen besteht.
Ballaststoffe tragen zu einer normalen Verdauung bei und können Teil einer sättigenden, ausgewogenen Ernährung sein. Wer bisher eher wenig Ballaststoffe gegessen hat, sollte die Zufuhr allerdings langsam steigern und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
Wenn du also nicht nur zusätzliches Protein, sondern gleichzeitig mehr Ballaststoffe in deine Ernährung integrieren möchtest, bietet Mykoprotein einen besonderen Vorteil.
Geschmack und Verwendung: Welches Protein lässt sich besser in den Alltag integrieren?
Auch beim Geschmack unterscheiden sich die beiden Proteinpulver. Erbsenprotein besitzt häufig einen erdigen Geschmack. In stark gesüßten Smoothies, Schokoladen-Shakes oder stark gewürzten Rezepten lässt er sich meist gut übertünchen. In neutralen Speisen kann er jedoch stärker auffallen.
Mykoprotein ist vergleichsweise neutral und leicht herzhaft. Dadurch lässt es sich auch in Gerichte integrieren, die nicht nach einem klassischen Proteinshake schmecken sollen. Zum Beispiel kannst du Mykoprotein in Porridge, Joghurt oder Pfannkuchenteig verwenden. Auch Suppen und Saucen lassen sich damit proteinreicher gestalten. Das kann besonders praktisch sein, wenn du Protein nicht nur über Shakes aufnehmen möchtest.
Verträglichkeit: Gibt es einen Unterschied?
Bei der Verträglichkeit gibt es keinen eindeutigen Gewinner. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf einzelne Proteinquellen.
Erbsenprotein kann bei empfindlichen Personen gelegentlich Verdauungsbeschwerden verursachen. Bei Isolaten sind viele Bestandteile der ursprünglichen Erbse bereits entfernt, was die Verträglichkeit für manche Menschen verbessern kann.
Auch Mykoprotein wird unterschiedlich vertragen. Durch den hohen Ballaststoffanteil kann eine größere Menge insbesondere bei einer bislang ballaststoffarmen Ernährung zunächst ungewohnt sein.
Deshalb gilt bei beiden Proteinquellen: Starte mit einer passenden Portion und beobachte, wie dein Körper darauf reagiert.
Bei bekannten Allergien, Unverträglichkeiten oder medizinisch notwendigen Ernährungsformen solltest du die passende Proteinquelle mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer qualifizierten Ernährungsfachkraft besprechen.
Verarbeitung: Erbsenprotein-Isolat oder fermentiertes Mykoprotein?
Auch die Herstellung unterscheidet sich grundlegend. Bei Erbsenprotein wird die Erbse verarbeitet, um die proteinreichen Bestandteile zu konzentrieren oder zu isolieren. Das Ergebnis ist ein Pulver mit einem hohen Proteinanteil. Dabei gehen sekundäre Nährstoffe überwiegend verloren.
Mykoprotein entsteht dagegen durch Fermentation. Das Myzel von Fusarium venenatum wächst dabei unter kontrollierten Bedingungen. Anschließend wird die Biomasse verarbeitet und schonend getrocknet. Dadurch bleibt die natürliche Matrix erhalten.
Beide Herstellungswege sind also unterschiedlich – und keiner davon ist automatisch „besser“. Die entscheidende Frage ist vielmehr, welches Nährstoffprofil und welche Anwendung du suchst.
Nachhaltigkeit: Rohstoff, Fläche und Alltagstauglichkeit
Sowohl Erbsenprotein als auch Mykoprotein können interessante Alternativen zu tierischen Proteinquellen sein. Einen pauschalen Sieger bei der Nachhaltigkeit gibt es jedoch nicht.
Bei Erbsenprotein spielen unter anderem Anbau, Ertrag, Verarbeitung, Energieverbrauch und Transport eine Rolle. Erbsen sind Hülsenfrüchte und können als Teil von Fruchtfolgen landwirtschaftliche Vorteile bieten. Der ökologische Fußabdruck steht und fällt bei veganen Proteinen in der Regel mit der Verarbeitung. Für das Isolieren von Erbseneiweiß - ein sehr ressourcenintensiver Schritt - können nämlich pro Kilogramm Protein über 30.000 Liter Wasser benötigen werden.
Mykoprotein wird dagegen fermentativ hergestellt und benötigt dafür keine landwirtschaftliche Anbaufläche wie klassische Feldfrüchte. Für diesen Prozess werden natürlich auch Energie und weitere Ressourcen benötigt. Allerdings zählt Pilzfermentation und deren Produkte zu den effizientesten und ressourcenschonendsten in der Lebensmittelherstellung. Dadurch, dass Mykoprotein von Natur bereits 55 % Eiweiß hat, können aufwendige Isolationsprozesse weggelassen werden. Deshalb benötigt es auch nur 60 L pro Kilogramm Protein.
Wann ist Erbsenprotein, wann Mykoprotein die bessere Wahl
Erbsenprotein kann besser zu dir passen, wenn du
- möglichst viel Protein mit wenig Pulver aufnehmen möchtest
- bereits ausreichend Ballaststoffe über deine Ernährung bekommst
- hauptsächlich Shakes oder Smoothies zubereitest
- ein möglichst proteinreiches Pulver suchst
- auf einen günstigen Preis pro Gramm Protein achtest
Mykoprotein kann besser zu dir passen, wenn du
- Protein und Ballaststoffe miteinander kombinieren möchtest
- dein Proteinpulver auch in normalen Mahlzeiten verwenden möchtest
- einen neutralen bis leicht herzhaften Geschmack bevorzugst
- möglichst wenige Zutaten suchst
- nicht jeden Tag einen klassischen Proteinshake trinken möchtest
Bei Kwint zum Beispiel steht deshalb nicht die klassische Supplement-Routine im Mittelpunkt. Die Idee ist einfacher: Protein soll sich in deinen Alltag integrieren lassen – nicht umgekehrt.
Mykoprotein oder Erbsenprotein: Was ist nun besser?
Die Antwort hängt von deinem Ziel ab.
Wenn du möglichst viel Protein mit möglichst wenig Pulver aufnehmen möchtest, ist Erbsenprotein häufig die naheliegendere Wahl.
Wenn du dagegen Protein mit einem hohen Ballaststoffanteil kombinieren und dein Proteinpulver vielseitig in Mahlzeiten einsetzen möchtest, kann Mykoprotein interessanter sein.
Beide Proteinquellen können Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Entscheidend ist deshalb nicht nur der Proteinanteil auf dem Etikett, sondern das gesamte Nährstoffprofil und vor allem die Frage, ob du das Produkt regelmäßig und gern verwendest.
Denn das beste Proteinpulver ist letztlich nicht das mit dem höchsten Proteinwert – sondern das, das zu deiner Ernährung, deinen Zielen und deinem Alltag passt.